
Ausrüstung
Dies und das
Technische Perfektion ist nicht dann erreicht,
wenn man nichts mehr hinzufügen kann,
sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.
Antoine de Saint-Exupéry
Die folgenden Betrachtungen sind als Information oder Anregung für den interessierten Mopedfahrer zu verstehen. Es sind rein subjektive Erfahrungswerte und schließen andere Produkte keineswegs aus. Der wirklich gute Fachhandel bietet mittlerweile entsprechende Informationen und Entscheidungshilfen.
Wie auch sonst im Leben wird man aber nicht die eierlegende Wollmilchsau finden. Das jeweilige persönliche Profil in Sachen Ausrüstungsbedarf so individuell, wie die Reisenden selbst.
Philosophie
KISS – Keep It Simple Stupid
Die Genialität liegt oft in der Einfachheit. Einfachheit ist dabei im Sinne schnörkellosen Designs gemeint und ist alles andere als ein Widerspruch zu Qualität.
Vor der Ausrüstungswahl sollte der Reisende sein persönliches Benutzerprofil herausfinden. Wer gelegentlich im Hochsommer an einem Wochenende zeltet, stellt berechtigter Weise andere Ansprüche an sein Zelt als ein Langzeitmopedfahrer, der durch verschiedene Klimazonen reist.
Qualität und Preis relativieren sich mit zunehmendem Nutzungsgrad.
Fahrerausstattung
Lederkombi / Signalweste / Helm / Stiefel / Handschuhe / Regenanzug / Unterbekleidung
Lederkombi
Bei Fahrerbekleidung bevorzuge ich persönlich eindeutig Leder. Auf der Suche nach einer geeigneten Tourenkombi bin ich bei dem schwedischen Anbieter Halvarssons hängen geblieben. Das Niveau an Schutzeinrichtung ist hoch und das Preis-Leistungs-Verhältnis erscheint mir angemessen.
Halvarssons stellt nach EN 13595-1 bis EN 13595-4 auch Schutzkleidung für professionelle Motorradfahrer her und rüstet Polizeikräfte in Europa aus.
Mittlerweile habe ich über 56.000 km bei jedem Wetter zu allen Jahreszeiten zurückgelegt. Die Kombi würde ich jederzeit wieder kaufen. Selbst bei Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius auf der iberischen Halbinsel war sie angenehmer zu tragen als ich vermutet hätte. Das TFL Cool System funktioniert tatsächlich. Die Lüftungsmöglichkeiten der Jacke sind ideal. Bei der Hose hätte ich mir Lüftungsöffnungen im Oberschenkelbereich gewünscht. Nach der Rückkehr von der iberischen Halbinsel sah ich mich jedoch gezwungen die Kombi auf links zu drehen und das Futter mit einem Handwaschmittel zu reinigen. (Ansonsten hätten mich die Kollegen wohl kaum in die Firma gelassen...)

Hier sind einige Details zur Halvarssons Lederkombi :
HI-ART Spezielle Textilfasern als Unterfütterung der Sturzstellen. Nehmen Energie auf
Triple Stich Sicherheitsnähte – Halten alles zusammen
TFL Cool System Verringert die Absorption von Sonnenstrahlen erheblich
Dryway+ Atmungsaktive und wasserdichte Membran als Futterstoff (Liner)
Nach über 60.000 km Dauerbetrieb zeigt das Innenfutter einige Verschleißerscheinungen. Stellen besonderer Belastung scheuern allmählich durch und einige Nähte haben unter vielleicht etwas unachtsamen Auskleideprozessen gelitten (v.a. bei heißen Temperaturen, wenn alles schön an der Haut klebt). - Die folgende Aktion kostet mich lediglich einmaliges Porto.
!!! Halvarssons repariert bzw ersetzt das Innenfutter auf Kulanz !!!
Textilkombi

Am liebsten trage ich meine Lederpelle. Und das sicher nicht nur weil sie mittlerweile perfekt die Form der Sitzhaltung auf der Griso eingenommen hat. Subjektiv und objektiv sowieso ist eine Lederkombi einfach sicherer.
Auf langen Touren macht es mir auch nicht unbedingt etwas aus, MAL die Regenhaut überzustreifen. Bei Fahrten in eher regenreichen Regionen, zum Beispiel zu Hause im Winterhalbjahr (haha) ist mir die Fummelei allerdings zu nervig. Aus dem Grund kam mir vor knapp zwei Jahren dann doch eine Textilkombi auf's Moped.
Wer mich kennt, kann bestätigen, dass sich mein Anforderungsprofil für Motorradbekleidung durchaus mit dem eines englischen Kurierfahrers messen kann. Und was soll ich sagen ? - Als erstes : die Kombi ist DICHT, also wenn ich dicht schreibe, dann meine ich das auch. Selbst drei Stunden im winterlichen Starkregen konnten der Halvarssons Textilkombi nichts anhaben. Die Sicherheitsmerkmale sind auf dem gleichen hohen Niveau der Lederkombi. Übrigens setzten die Kradfahrer der englischen Polizei Halvarssons-Produkte ein. Überhaupt sieht man dieses Label in UK sehr viel häufiger als in Deutschland, was wirklich schade ist. Denn die komplette schwedische Kombi gibt es zum Jackenpreis einer bekannten finnischen Marke (mit "R").
Meine anfängliche Skepsis, ob die Dryway+ Membran so dauerhaft dicht und mechanisch robust ist wie eine Gore Tex Membrane, ist mittlerweile gewichen.
Mit ausgezippten Thermofutter fahre ich bei 13 bis 15 Grad Celsius noch im angenehmen Bereich. Mit Thermofutter kam ich selbst bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt noch nicht in die Verlegenheit die lange Wollene drunterzuziehen. (Natürlich ist das äußerst subjektiv. Für die Übertragbarkeit übernehme ich keine Haftung.)
Katalog, Händlernachweis und Preisliste gibt es unter dem folgend genannten link.
www.jofama.se
Die Halvarssons-Bezugsquelle im Norden : Moto Service Kanbe, Büdelsdorf/Rendsburg
www.moto-service-knabe.de
Signalweste
Kushitani stellt eine hervorragende Signalweste her. Sie glänzt durch gute Sichtbarkeit und absolut flatterfreien Sitz. Seitliche Stretchpanele und ein Frontreißverschluß gewährleisten ein super Handling. Das Teil bleibt einfach permanent über der Jacke und muss nicht extra an- oder ausgezogen werden. Ich bin übrigens oft von anderen Mopedfahrern auf diese Weste angesprochen worden. Mittlerweile hat ein großer Discounter eine verblüffend ähnliche Weste ins Programm aufgenommen.
In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der auffälligen Westen im Straßenbild deutlich gestiegen. Brauchbare, flatterfreie Westen gibt es derweil von verschiedenen Herstellern.
Helm
Dass es ein Arai geworden ist, hängt ursächlich damit zusammen, dass mein Guzzi- Händler eben Arai führt. Vor dem letztendlichen Kauf habe ich dann natürlich noch recherchiert. Dies bestärkte die Kaufentscheidung. Besonders entgegen kamen mir dabei die folgenden Eigenschaften :
Hoher Sicherheitsstandard, Schale aus Faserverbundstoff, unterschiedliche Schalengrößen, Passform, Belüftung, schlichtes Design, helle Farbe (geringe Absorption der Sonnenstrahlen im Sommer). Einzig eine integrierte Sonnenblende vermisse ich bei wechselnden Lichtverhältnissen.
Sonnenbrille

Sonnenbrillen sind natürlich längst Modeaccessoires. Entsprechend gestaltet sich das Preisniveau. Beim Drumherum ums Mopedfahren müssen Brillen ganz schön was aushalten. Da überlegt man zweimal, ob man tatsächlich viel Geld für so ein Teil ausgeben soll.
Um so erfreulicher finde ich die Produkte von Helly Bikereyes. Das Preissegment ist wirklich günstig und dennoch hat man und Teddy was Vernünftiges auf der Nase. Es sind keineswegs Billigprodukte. Die Linsen sind selbst an den gebogenen Rändern absolut frei von Verzerrungen, was letztendlich der Sicherheit dienlich ist.
Die Brillen erfüllen die gängigen Normen und verfügen zudem über beschussfeste Linsen. Man muss nicht mit dem Moped in Krisengebieten unterwegs sein, um davon einen Nutzen zu haben. Bei geöffnetem Visier oder gar bei Jet-Helm-Trägern ist es durchaus wünschenswert kleine Steinattacken abwehren zu können. Etliche Modelle sind auch in Sehstärke (Linsen made in Germany) erhältlich.
Früher gab es auf der Homepage Scharfes zum Testen der verzerrungsfreien Optik. Mit zunehmender Expansion und immer breiter gefächerten Vertriebspartnern scheint das leider nicht mehr politisch korrekt zu sein. Somit sind die Babes verbannt worden. Schade eigentlich.
Keinesfalls verbannt wird der Service. Durch grobmotorische Handhabung ist mir neulich ein Bügel abgebrochen. In der Hoffnung auf eine Reparaturmöglichkeit habe ich die Brille eingesendet und anstandslos ein neues Modell bekommen.
www.bikereyes.de
Stiefel
Da ich bisher nirgendwo unterwegs war, wo Regen kategorisch ausgeschlossen werden kann, setze ich auf Touren Stiefel mit einer Gore Tex Membran ein. Die Daytona Road Star GTX haben mich bisher nie enttäuscht. Verarbeitung, Haltbarkeit und Sicherheit sind auf hohem Niveau. Aus Gründen mangelnder Schutzeigenschaften lehne ich Wanderschuhe zum Fahren ab.
Als ich in Italien meine Bella mal auf die Seite gelegt habe, hat mich jedenfalls nur der Schienenbeinschutz der Stiefel vor einer ernsthaften Unterschenkel-Blessur bewahrt.
Handschuhe
Lederhandschuhe von Halvarssons mit Dryway+ Membran sind meine erste Wahl und haben bisher jeden Regen zuverlässig gemeistert. Für sommerliche Verhältnisse sind noch ein paar Nicht-Membran Handschuhe an Bord.


In Sachen Handschuhe hat es im Juni 2011 ein Update gegeben. Es handelt sich um ein Modell der Firma Held mit der neuen x-trafit Technologie, bei der Außenstoff, GoreTex-Membrane und Innenfutter zusammenlaminiert werden. Das funtkionert total super. Selbst nach dem dritten Tankstop im fetten Dauerregen gibt es keinerlei Probleme mit verrutschendem Innenfutter und dergleichen. Der Außenhülle der Innenhand besteht aus griffigem Leder, Stulpe und Außenhand aus schnell (im Vergl. zu Leder) trocknendem Textilgewebe.
Nach nur dreimonatigem Dauergebrauch der Handschuhe gehen nun die ersten Nähte auf. Das ist nicht wirklich eine heldenhafte Qualität. Ich werde sie einsenden und der Kundendienst der Firma Held wird darüber entscheiden, ob ich noch einmal etas von Held einsetzen werde...ich mein man kauft ja keine Motorradhandschuhe, um sie rumliegen zu lassen. Sie müssen schon ihren Zweck erfüllen.
Nahtlos
Der Kundendienst von Held hat sich mittlerweile unter Beweis gestellt. Innerhalb von zehn Tagen hatte ich die Handschuhe absolut 1 A repariert zurück. Das nenne ich einen guten Service. (Abgewickelt werden muss so ein Vorgang allerdings über den entsprechenden Einzelhändler.) Ich könnte mir also gut vorstellen auch zukünftig Held-Produkte einzusetzen.
Regenanzug
Im Prinzip bevorzuge ich bisher Zweiteiler, da man die Jacke auch als zivile Regenjacke einsetzen kann und somit ein extra Ausrüstungsteil spart. Bisher habe ich noch nicht das Optimum gefunden und suche daher weiter…
Jepp ich habe ihn !!! Das ist für mich der ideale Regenanzug. Es gibt ihn zweiteilig (Rainlock 2) oder als Einteiler (Prorain 3).
Rundum gut sichtbar
Sehr gutes Material (2,5 Lagen Laminat, KEIN lästiges Innenfutter, hitzebeständige Verstärkungen), funktions- und praxisgerechte Details (sehr sinnvolle Armabschlüsse mit guter Handschuhbedienbarkeit) und das Ganze in hoch sichtbarem gelb.

Bequemes Einsteigen OHNE sich der Stiefel entledigen zu müssen (und mit Socken auf dem nassen Boden rumzutapsen).

Labyrinthmanschette und großzügig geschnittener Überwurf ermöglicht einfache Bedienbarkeit auch mit Handschuhen und sorgt für eine effiziente Abdichtung.

Moto Guzzi stellt eindeutig die besseren Motorräder her (smile), aber beim Zubehör hat die bajuwarische Firma mit den Flat-Twins aus Preußen (Produktion in Berlin) eindeutig die Nase vorn.
Nach einigen nordeutschen Starkregen-Dauerfahrten neige ich zu der Aussage, dass es sich um den besten Regenkombi am Markt handelt. Das gute Stück funktioniert weltallerbest. Das ist DER ultimative Regenkombi.
Unterbekleidung (Merinowolle)
Meine letzte Errungenschaft ist Unterbekleidung aus Merinowolle bzw Merinowollgemisch (mit Kunstfaseranteil). Lange gezögert, da die Preise sehr sportlich sind, fällt mein Urteil allerdings sehr positiv aus. Für unterschiedliche Temperaturbereiche werden verschiedene Materialstärken angeboten. Selbst für sommerliche Temperaturen gibt es extra hauchdünne T-Shirts. Es ist UNGLAUBLICH wie lange man diese Sachen tragen und durchschwitzen kann, bevor sie anfangen zu müffeln. Die Auswirkungen auf das soziale Reiseumfeld sind extrem positiv. Am besten testen. (Patagonia, Ullfrotte, Fjäll Räven u.a.)
Gepäcksysteme
Nah - Gepäck
Während für Fernfahrten die Ausrüstungsfrage und Gepäckunterbringung weitestgehend geklärt ist und eher eine Konstante darstellt, glänzt der Alltag durch wechselnde Anforderungen adäquater Unterbringungsmöglichkeiten von Kleinkram bis DIN A 4.
Kuriertaschen scheiden wegen dem Rutsch- und Baumelfaktor aus. Tankrucksack ginge, erfordert aber ein paar mehr Handgriffe beim Tanken und DIN A 4 geht eben nicht. Rückenrucksack ist unangenehm bei höheren Temperaturen.
Die ideale Kleinkramlösung ist für den Verfasser Guzzis Borsa Bauletto Griso. Zum gefühlten Preis einer Gucci Handtasche gibt es ein nicht minder schickes Utensilienstaufach für den Soziussitz. Es mag Preiswerteres geben, aber nichts passt quasi so minmalistisch gut wie der Popo einer Signorina auf das Soziusbrötchen einer Ducati Diavel.

Eingebaute Erweiterung
Immerhin erspart das Pudertäschen die Anschaffung einer schicken (und noch teureren) Solositzbank aus dem Hause Millepercento. Denn darauf passt das Ding nicht mehr. Das relativiert den Einstandspreis für den Italo Taschenschick.
DIN A Vieriges lässt sich ideal und zudem wasserdicht mir Ortliebs Packman Pro 2 transportieren. Zudem ergänzt sich das Teil in limone-schwarz doch auffallend hübsch mit der Signalweste.

www.ortlieb.com
Fern - Gepäck
Tankrucksack / Seitentaschen / Packsack

Für den Reise-Soziusbetrieb erscheint mir das Sitzmöbel, die Beifahrerergonomie und die Gepäckunterbringung eher spartanisch. Zum Solo-Touren finde ich die Griso dagegen ideal. Der Gepäcktransport findet in der klassischen Verteilung per Tankrucksack, Seitentaschen und Packsack statt.
Tankrucksack
Die Griso ist anders und der Tank der Griso erst recht. Daher wundert es nicht, dass der Zubehör Tankrucksack von Moto Guzzi die ideale Passform aufweist. Schließt die Grundplatte bestens an den Tank an, wundert es jedoch, dass der Tankrucksack selbst irgendwie etwas schief sitzt. Da hilft auch kein Justieren mit den Befestigungsriemen. Aber so sind sie die Griso Tankrucksäcke. Sie sind schlichtweg schief genäht. Aber es ist nicht viel und schränkt die Funktion keineswegs ein. Aber das Auge registriert die leichte Asymmetrie.
Die mitgelieferte Regenhülle hat verschweißte Nähte und ist absolut wasserdicht, selbst das Klarsichtfenster für den Blick auf die Straßenkarte. Leider wird ein sehr einfaches Material verwendet so, dass sich die Hülle bei intensivem Gebrauch frühzeitig verabschiedet. Und leider kann die Hülle nicht separat nachgekauft werden. Daher wurde mein Tankrucksack mit einem wasserdichten Innensack mit Rollverschluss von Touratech nachgerüstet, der sich bestens bewährt hat.

Zur Schonung der Lackoberfläche des Tanks ist im Lieferumfang eine Folie enthalten. Sie haftet gut und rückstandsfrei. Der Zuschnitt hat allerdings wenig mit der Form des Tanks zu tun. Vor allem bei längeren Regenfahrten sammelt sich unter den überstehenden Folienrändern Straßendreck. Der Fahrtwind bringt die überstehende Folie ins Flattern und diese bearbeitet zusammen mit dem Staub die Tankoberfläche. Da kann man auch gleich Schmiergelpapier nehmen… Ich kann nur dringend anraten die serienmäßige Folie von Anfang an richtig zu überarbeiten oder gleich einen eigenen Zuschnitt aus 3M-Lackschutzfolie anzufertigen. Diese ist nämlich noch viel belastbarer.

Ein sinniges Detail des Tankrucksackes soll nicht unerwähnt bleiben. In der Grundplatte verstecken sich Tragegurte, die es ermöglichen das Ganze als Rucksack zu schultern. Bei Besichtigungen etc kann man somit den wichtigsten Kram problemlos mitnehmen.
Seitentaschen
Bei den Seitentaschen handelt es sich um die original Guzzi-Seitentaschen. Sie sind aus Cordura gefertigt und passen sich gut ins Design der Griso ein, sind aber nicht wirklich groß. Die Taschen sind konstruktiv bedingt nicht wasserdicht und die Regenüberzüge machen keinen Sinn, da sich bei Regenfahrten Wasserblasen in den Überzügen sammeln. Man kommt daher nicht umhin, innerhalb der Seitentaschen mit wasserdichten Behältnissen zu arbeiten. Da ich nicht auf Einkaufstütengefummel stehe, setze ich die besonders leichten aber völlig wasserdichten Säckchen von Ortlieb (PS10) ein.

Manchmal erscheint mir die Handhabung mit den Einzelsäcken etwas tüddelig. Das brachte mich auf die Idee den Innensack vom Tankrucksack größentechnisch auszuprobieren. Er hat genau Seitentaschenformat. Mal schauen, welche Lösung sich langfristig durchsetzen wird.
Bei Nichtgebrauch der Seitentaschen ist der spezielle Träger derart unauffällig, dass ich ihn für den Alltag nicht demontiere. Er stört die Linie der Griso kaum.

Nach vier Jahren Alltags- und Toureneinsatz versagen allmählich die Reißverschlüsse. Prinzipiell geht das bei meiner Nutzungsintensität in Ordnung. Das Moto Guzzi mir allerdings keinen Satz neuer Taschen verkaufen will, ohne dass ich das Komplettpaket mit Träger (fast 400,- Euro) abnehme ist alles andere als in Ordnung. Da ich bisher keinen Sattler gefunden habe, der neue Reißverschlüsse einsetzen würde, habe ich ein Auge auf die Ortlieb Speedbags (< 200,- Euro) geworfen. Ich werde mal ausprobieren wie sie sitzen und sich befestigen lassen.

Schlimm feist oder slim fast ? - Ich habe eine Sattlerin gefunden, die sich meiner Cordura Täschen annimmt. Ob die Sache erfolgreich ist, wird sich zeigen. Letzendlich wird es auch nur eine gewisse Lebensdauerverlängerung sein. Mittelfristig ist über eine solide Lösung nachzudenken. Links im Bild 40 Liter Junior Koffer von Hepco & Becker. Das ist für mich designmäßig äußerst gewöhnungsbedürftig. (Vielleicht sollte ich mal die 30 Liter Ausführung testweise anhalten....oder doch besser nur eine Zahnbürste mitnehmen.)
Packsack
Ein wasserdichter Packsack wird für die großvolumigen Ausrüstungsteile eingesetzt. Die Größe des Sackes (35 – 50 Liter) richtet sich nach dem Tourumfang. Der kleine Packsack (Ortlieb, X-Plorer) verfügt über Tragegurte und kann als Tagesrucksack bei Ausflügen eingesetzt werden. Die Ortliebsäcke haben sich in der Haltbarkeit anderen Produkten gegenüber als überlegen erwiesen.
Positioniert wird der Packsack quer über der Soziussitzfläche. Das Verzurren an dem Seitentaschenträger ist zuverlässig und der Schwerpunkt liegt näher in der Fahrzeugmitte als bei Verwendung eines Heckgepäckträgers. Ein VA-Schäkel sichert den Rollverschluß.
Das Modell von Louis mustere ich nach einer Gesamteinsatzdauer von nur sechs Wochen aus. Die Knebelleiste des Verschlusses hat sich komplett verabschiedet und das Gewebe zeigt die ersten Brüche. Ein gutes Beispiel dafür, dass die scheinbar preisgünstigen Dinge letztendlich doch die teureren sind...

Unterwegs
Dokumentation
Meine Reiseimpressionen vertraue ich gerne den klassischen Moleskine Notizbüchern an. Sie weisen bei hauchdünnen Seiten eine hohe Papierqualität und Haltbarkeit auf. 192 Seiten machen das Büchlein trotz des festen Einbandes nur etwas über einen Zentimeter mächtig. Als Schreinwerkzeug dient ein Kugelschreiber mit einer Space Pen Mine. Eine Druckpatrone sorgt dafür, dass das Teil in jeder Lage schreibt und nicht eintrocknet oder schmiert.

Für die fotografischen Erinnerungen sorgt eine Canon DigiCam mit einem optischen Zoom-Äquivalent zur Kleinbildfotografie von 35-105 mm. Mir persönlich reicht das aus. Ambitionierte Hobbyfotografen haben sicherlich weiter reichende Vorstellungen.
Navigation
Bisher navigiere ich ausschließlich mit Papierkarten. Ich mag die klassische Auseinandersetzung mit der Karte und durch die Vorbereitung verinnerlicht sich die Reiseroute. Zudem dient mir die Papierstraßenkarte auch als Informationsträger für hilfreiche Notizen.
Straßenkarten
Da ich ausschließlich analog navigiere, lege ich besonderen Wert auf die Qualität von Straßenkarten. Hinsichtlich Aktualität, Vollständigkeit und Darstellung sind für mich die Michelin Straßenkarte eine echte Institution. Das besonders dünne Papier erleichtert individuelle Faltungen. Unter dem Einfluss von Feuchtigkeit erlangen die Karten aber leider schnell die Konsistenz von 'Hakle Feucht'.
Erstmals habe ich nun Karten des Reise Know How Verlages eingesetzt. Die Karten aus dem „world mapping project“ sind auf dem synthetischen Papier Polyart gedruckt. Dadurch sind die Karten wasserfest (aber dennoch beschriftbar) und extrem widerstandsfähig. Die Karten halten extremster Misshandlung stand und zeigen auch nach zigfachen Faltungen für das Kartenfach im Tankrucksack keinerlei Verschleißerscheinungen. Die Geländedarstellung enthält Höhenlinien und ein Höhenschichtenrelief, wodurch eine gute plastische Wirkung erzielt wird. Eine Gradnetzangabe macht die Karten zudem GPS-tauglich. Die Darstellung und Aktualität des Straßennetztes hat leider nicht die Qualität der Michelin Karten, ist aber meiner Meinung nach völlig ausreichend. Für mich persönlich überwiegen die Vorteile der Robustheit.
Werkzeug und Ersatzteile
Zum Einen bin ich nicht der große Schrauber und zum Anderen ist die Zuverlässigkeit der modernen Motorräder vergleichsweise hoch (toi, toi, toi). Dennoch habe ich etwas Werkzeug dabei. Es ist auseichend um sich lockernde Komponenten wieder zu fixieren und typische Sturzteile zu tauschen.

Ein Satz Hand- und Fußhebel ist bei längeren Touren im Gepäck. Zu ärgerlich fände ich es nur wegen eines abgebrochenen Bremshebels eine Tour beenden zu müssen.

Ein Reparatur-Kit (mit CO2-Patronen) für schlauchlose Reifen erscheint mir in entlegenen Gegenden hilfreich, um zu mindestens bis zur nächsten Werkstatt zu gelangen. Ein Ersatzventil habe ich ergänzt. Darüber hinaus gibt es noch nützlichen Kleinkram wie Tape, Edelstahldraht, Leuchtmittel…
Motoröl kommt nur auf längeren Fahrten (> 5.000 km) mit an Bord. Die Guzzi läuft je nach Fahrweise durchaus von einem bis zum nächsten Inspektionsintervall (10.000 km), ohne das die Notwendigkeit besteht Öl nachzufüllen. Wenn Öl mitgeführt wird, beschränkt sich daher die Menge auf 0,2 Liter. (Analog bei der Transalp.) Dafür muss dann ein Weithalsbehälter aus der Campingküche herhalten, der sich dicht verschrauben läßt. Da das Einfüllen damit unpraktisch ist, kommt diese Wundertüte zum Einsatz. Der Trichter aus dem Sortiment des Boxer-Spezialisten Wunderlich ist faltbar und damit bestens zu verstauen.

Für KTM - und manche BMW - Fahrer lohnt sich die Anschaffung der Wundertüte nicht. Wenn sie ohnehin gezwungen sind einen halben Liter auf tausend Kilometer nachzukippen, können sie das auch direkt aus dem 1 Liter Kanister machen. In der Regel verfügen diese Dinger über ausstülpbare Einfüllhilfen.
Für Wenig-Öl-Verfeuerer finde ich es sinnvoller eine kleine Bedarfsmenge abzufüllen und nicht 0,8 Liter Motoröl sinnlos durch Europa zu kutschieren.
WWW - Welt Weites Wohnen
Zelt / Schlafsack / Liegeunterlage / Kocher
Zelt
Hier folgt kein Diskurs über Zeltformen und –materialien. Dazu gibt es viele andere schlaue Quellen und die Beratung des guten Fachhandels. (Angeraten sei sich detailliert mit dem Thema Wasserdichtigkeit auseinander zusetzen.) Ich erwarte von meinem Zelt, dass es den Witterungsbedingungen der Reiseregion absolut kompromisslos standhält und einen gewissen Lebensraum bietet. Zudem muss es ein wenig wie Yoghurette („…leicht muss sie sein…“) sein.

Konkret setze ich meistens ein Ferrino „Blizzard“ aus der High Lab Serie für hochalpine Unternehmungen ein. (Selbst bei Schneestürmen auf Skitouren in Norwegen war mir das Zelt immer ein sicherer Unterschlupf.) Es verfügt über einen Eingang und der Lebensraum ist für eine Person okay. Das Gewicht beträgt nur 2,2 kg. Mit zwei Heringen für die Apsiden steht das Zelt.
Auf einer Langzeitreise oder in Gegenden in denen mit mehr Niederschlägen zu rechnen ist, bevorzuge ich jedoch das Tunnelzelt „Akka 2“ von Fjäll Räven. Das „Akka 2“ hat drei Gestängebögen und bietet mit einer großen Apside deutlich mehr Lebensraum und Stauraum.
Tunnel auf Island
Bei einer längeren Tour in trocken-heißen Gegenden wäre allerdings eine komplett selbsttragende Kuppelkonstruktion die erste Wahl. Damit entfällt das Problem Heringe oder Erdnägel in undurchdringbar trockenen Boden zu treiben bzw entsprechend improvisieren zu müssen. Zudem ermöglichen zwei Eingänge eine effektive Querlüftung.
Anstatt Hering...
Schlafsack
Da ich in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Jahreszeiten unterwegs bin, setze ich bei meinem Unterwegs-Bettzeug auf ein modulares System. Dieses besteht aus zwei Schlafsäcken, die größenmäßig derart abgestimmt sind, dass sie bei Bedarf ineinander gesteckt werden können. Im Einzelnen sind dies ein Daunenschlafsack von Carinthia und ein Kunstfaserschlafsack von Ferrino.

Schlafmatte, Daunenschlafsack, Seidenpyjame, Seideninlett (in Größenrelation zum Tankrucksack)
Der Daunenschlafack ist kuschelig wie Omas alte Daunendecke und taugt solo für Temperaturen um +5°C. Wird der Ferrino-Sack darüber gezogen, schlafe ich auch bis -5°Grad (Skandinavien im Herbst) noch angenehm. Dies ergibt ein breites Anwendungsspektrum. Die Säcke wiegen jeweils etwa 650 Gramm und weisen ein Packmaß von etwa 12 x 18 cm auf. In der Praxis ist es im Sommer angenehm kein nicht benötigtes Schlafsackmaterial zu transportieren, da der Ferrino-Außensack zu Hause bleibt. Kommen beide Teile zum Einsatz, lassen sich beim Stauen zwei kleine Packbeutel besser unterbringen als ein Großer. Ergänzt wird die Schlafausrüstung durch ein leicht waschbares Seideninlett und einen kurzen Seidenpyjama.
Liegeunterlage
Wie man sich bettet, so schläft man bekanntlich. Vor knapp dreißig Jahren war die gute alte schwarze Evazote Isomatte aus geschlossenzelligem Schaum die erste Wahl des aktiven Draussenschläfers.
Nach zwanzig erfolgreichen Evazote-Jahren bin dann auch ich der Verlockung der High-Tech Schlafmatten erlegen. Nach zwei Fabrikaten sogenannter selbstaufblasender Isomatten (zwei dünne Schaumlagen mit Luftpolster in einem luftdichten Bezug) bin ich bei der Synmat 7 von Exped gelandet. Sie ähnelt im Grunde genommen der guten alten Luftmatratze, ist aber sehr viel leichter und kleiner im Packmaß. Vor allem bei unebenem Boden bietet sie höchsten Schlafkomfort.
Als aktuelles Resumee muss ich folgendes feststellen : Bei beiden Fabrikaten der selbstaufblasenden Matten hat sich der Außenbezug vom Schaum gelöst. Die jeweilige Matte ist dann wegen einer riesigen Luftblase nicht mehr wirklich beschlafbar. In einem Fall habe ich während einer Kajaktour in den schwedischen Ost-Schären zwei Wochen quasi auf dem Boden geschlafen.
Und derzeit habe ich meine geliebte Exped SynMat 7 zwecks Überprüfung beim Hersteller, da sie über Nacht so viel Luft verliert, dass man morgens fast auf dem Boden liegt.*
Bei einer exponierten Tour, fernab von Einkaufsmöglichkeiten, würde ich wohl doch eher auf die unkaputtbare Evazote-Matte setzen.
Insgesamt gefällt mir das Label Exped aus der Schweiz. Erfrischende und ausgetüftelte Ideen, die allesamt sehr praxisorientiert sind und sich z.T. auf Expeditionen bewährt haben. Im Angebot sind auch Zelte, Schlafsäcke und sinnvolles Zubehör.
www.exped.com
(* Anmerkung : Exped hat mir mittlerweile anstandslos eine neue Matte zugesendet, obwohl die Matte älter als zwei Jahr war und intensiv benutzt worden ist. Ich finde das ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Exped-Leute von ihren Produkten überzeugt sind.)
Kocher
Ein echtes Camping Design Highlight ist unbestritten der Sturmkocher der schwedischen Firma Trangia (gegr. 1925). Ich glaube in den 1950er Jahren hat er tatsächlich einen Award gewonnen. Moderne Materialien (Alu-Edelstahl-Kombination) und mit einem (Primus-)Gasbrenner aufgerüstet, ist er meines Erachtens noch immer einer der besten Kocher am Markt. Durch seine Konstruktion verträgt er den Namen Sturmkocher zu recht, da ihm der Wind nicht die Flamme ausbläst. Zudem ist sein Packmaß kompakt, da zum Transport die Außenhülle, zwei Töpfe, ein Wasserkessel und der Brenner ineinander verstaut werden können. Eine echte All-In-One-Anlage.
Für spartanische Kurztrips setze ich ein sehr kompaktes Primus Modell ein. Brenner und Kartusche verschwinden in dem ein Liter Topf, der gleichzeitig als Transportbehälter dient. Zusammen mit einem Schweizer Messer und einem Göffel (Gabel und Löffel in einem) ist das Überleben mit geringstem Hardwareeinsatz gesichert.

Trangia "Gourmet-Küche" versus Prismus "Leichte Kost"

Das Primusmodell ist inkl. Brenner und kleiner Kartusche extrem kompakt.
(Hier im Vergleich zu einer großen Kartusche.)
Für Überseereisen würde ich wegen der einfacheren Brennstoffbeschaffung auf einen Benzinbrenner für das Trangia-System umsteigen.

Frühstück im Süden geht auch ohne Kocher.
Sonstiges
Schuhwerk
Schuhe sind beim Packen meine am wenigsten geliebten Ausrüstungsstücke. Starr, steif, irgendwie doch voluminös und nicht komprimierbar fordern sie ihren Tribut am Packvolumen.
Nicht, dass meine Guzzi nicht zuverlässig wäre, aber ich bewege mich vor Ort auch mal ganz gerne zu Fuß. Dabei setzte ich auf einen Trekking Halbschuh, der fest genug ist, um auch im leichten Gelände dem Fuß einen ausreichenden Halt zu bieten. Gefertigt ist er aus Anilin-Leder. Nasses Gras macht ihm daher nichts aus. (Eine wasserdichte Membran bei Halbschuhen finde ich konstruktiv gesehen eh ziemlich lächerlich.) Mein Halbschuh hat daher auch nichts Derartiges. Der Meindl Ontario ist komplett ledergefüttert. Dies kommt dem Fußklima sehr entgegen. (Die wasserdichten Motorradstiefel trägt man ja eh schon lange genug.)
"Zivile" Bekleidung
Die Lederkombi wird mir unterwegs fast zur zweiten Haut. Dennoch oder gerade deswegen freue ich mich darauf, mal in leichte und luftige zivile Bekleidung schlüpfen zu können.
Nach vielen Jahren aktiven Draussenseins ist mein persönlicher Favorit nach wie vor die G-1000 Kleidung des schwedischen Ausrüsters Fjäll Räven. G-1000 ist ein seit einer halben Ewigkeit eingesetztes Baumwoll-Polyester Mischgewebe (35/65%). Es zeichnet sich durch Leichtigkeit, Robust- und Langlebigkeit, kurze Trocknungszeiten und vor allem durch Dichtigkeit gegen Mückenstiche aus. Mit im Gepäck habe ich stets eine Windjacke und eine Hose mit abzippbaren Beinen aus G-1000 Gewebe.
Unterwegs achte ich darauf ein T-Shirt und/oder Hemd ausschließlich für Nicht-Fahrzwecke einzusetzen. Somit habe ich eine gewisse Chance einigermaßen ‚kultiviert’ zu bleiben. Im Falle einer privaten Einladung oder ähnlichem wird es einem indirekt gedankt…smile.
Körperpflege
Ich habe ein Auge auf Ausrüstung und Lösungen, die minmalen Gepäckaufwand garantieren. Aber wer mag schon an der Körperpflege sparen ? - Ich jedenfalls nicht ! Daher bin ich froh, mein Experiment mit original Aleppo Seife aus einer alten Seifensiederei in Syrien gewagt zu haben. Hauptbestandteil ist Olivenöl und die rückfettende Wirkung für die Haut ist sehr intensiv. (Geht auch zum Haarewaschen !) - Ade Duschgel, ade Haarshampoo, ade Körperlotion...Ein Stück Seife für alles ! Und schon hat das Moped wieder etwas weniger zu tragen.
Mikrofaserhandtuch
Ohne Zweifel erfüllt das gute alte Baumwollfrotteehandtuch nicht gerade die Anforderungen optimierten Gepäcks. Es hat ein großes Packmaß und ist schwer, vor allem wenn es dann noch nass ist.
Diese neumodischen Mikrofaserhandtücher versprechen allerhand Vorteile für den ambitionierten Reisenden. Nach vielen Jahren verzweifelten Probierens habe ich allerdings keine andere Erkenntnis erlangen können als, dass der angepriesene Schnelltrocknungsprozess in erster Linie darauf beruht, dass die Dinger gar keine Feuchtigkeit aufnehmen und genau genommen deshalb auch nicht trocknen müssen. Irgendwie verteilt man nach dem Duschen die Nässe so lange auf dem Körper, bis sie dann eh verdunstet ist….
Wie auch immer, mangels wirkungsvoller Alternative wird auch auf dem nächsten Trip wieder so ein HighTech Handtuch an Bord sein.
Sollte jemand diesbezüglich einen wirklich guten Tipp haben, wäre ich sehr dankbar.